Roland Linz

"Linz-Derby": 3:0 für Austria gegen Rapid.

Fußball. Edelreservist als zweifacher Torschütze für Violett, das mit Meister voll Mittelmaß leichtes Spiel hatten.

Wien. Seit es die Rasenheizung im Stadion gibt, ist eine Derby-Absage Schnee von gestern. Und das gilt auch für Champions-League-Qualität des Meisters. Mit Grünweiß geht's rapid bergab, seit Hofmann und Ivanschitz weg sind und jene, die von sich meinten, sie würden sie nahtlos ersetzen, nicht mehr als Lückenbüßer sind. Wäre Rapid nach der Pause nicht etwas aufgetaut, hätte die Austria in diesem Derby noch leichteres Spiel gehabt. Sie gewann sozusagen nach Belieben dieses ungleiche Duelle. Nichts hätte das besser illustrieren können als der Schlusspunkt zum 3:0 (1:0) durch den zweifachen Torschützen Roland Linz, dessen Antritt, Dynamik und Spielfreude die Rapid-Abwehr in Panik versetzt hatte. Und dabei zeigte, dass er mehr als nur Stürmer-Alternative für Rushfeldt ist.

Mit dem ebenfalls antrittsschnellen Sebo, der die langsamen Rapid-.Veteranen (Hiden, Bejbl) durcheinander wirbelte, bildete Linz ein stets gefährliches Stürmerduo - die zwei echten Angreifer (Kincl, Akadüngüz) samt hängender Spitze Bazina, die Grünweiß auf dem Papier aufgeboten hatte, blieben hingegen völlig wirkungslos. Was Grünweiß an technischen Defiziten bot, machte den Meister zum Mittelmaß, weit entfernt von Spitze. Und weil Rapid so schwach begann, litt das Derby lange Zeit auch an Klasse-Armut.

Und trotzdem war's ein kurioses Tor, das den Bann brach, kaum dass Linz mit einer tollen Aktion - Ball herunter genommen, sofort geschossen, knapp drüber (19.) - angedeutet hatte, dass es sein Derby-Tag werden könnte. Drei Minuten später schoss er als Nutznießer einer tragikomischen Koproduktion der Rapidler das 1:0 selbst. Sebo hatte geflankt, Routinier Bejbl seinen Tormann Payer angeschossen und Linz, der dort stand, wo Torjäger stehen sollen, abgestaubt. Beim 2:0 (68.) verpassten Sebo und Payer eine Cseh-Flanke und der Brasilianer Dos Santos, von den Amat euren geholt, jubelte über sein erstes Tor so ausgelassen,. dass er fast im Schneehaufen gelandet wäre. Karneval, einmal anders. Weil er Gelb sah, wurde er ausgetauscht. Das 3:0 war nur (Konter)Draufgabe.

Rapid, das erst in der 47. Minute (Martinez, ein Versager) den ersten Schuss abgegeben hatte, traf übrigens auch - aber ungültig. Kincl (65.) hatte Tormann Didulica in der Luft attackiert. Diesmal lief eben alles andersrum. Auch, was die Reizfigur Didulica betraf.

Der Wintereinbruch war an Rasenheizung und Stadion-Trupp abgeprallt, 100 Mann hatten den Schnee entfernt, nur die Laufbahn deutete noch auf Väterchen Frost hin. Mehr als die U12-Geschroppen von Rapid und Sportclub heizte den fröstelnden Fans die Gruppe "Alkbottels" ein. "Wir trinken auf Rapid" nahmen sich viele zu Herzen, Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassendes Gewand.

Rapid-Trainer Zellhofer hatte seine Mannschaft bunt gemischt und Teamspieler Dober auf die Bank gesetzt. Und Austria-Trainer Frenkie Schinkels damit überrascht, dass er doch keine Legionärs-Elf auftreten ließ, sondern Sigurd Rushfeldt nach den Länderspiel-Strapazen mit Norwegen eine schöpferische Pause gönnte.

Aus dem höchst turbulenten Derby im Herbst hatte übrigens auch ein Großteil der Fans gelernt. Rigorose Stadien-Verbote zeigten Wirkung, Leuchtraketen blieben nur die Ausnahmen. Ein Hausverbot aber wurde dennoch umgangen: Toni Polster, als violette Galionsfigur bei Austria eine Persona non grata, war beim Derby im kalten Prater doch dabei - als Ehrengast des Erzrivalen. Toni freute sich trotzdem über Austrias 3:0.

Quelle: Die Presse